2012 – geniales Katastophen-Marketing

Roland Emmerich

Roland Emmerich

Nordamerika am 1. Oktober 2009. Im Abendprogramm wird zeitgleich auf sämtlichen Kanälen, die Apokalypse von Los Angeles ausgestrahlt. Wer versucht etwas anderes auf den Bildschirm zu bekommen scheitert, satte 450 TV-Anbieter wurden in die gigantische ‘2012′-Werbekampagne involviert. Nicht nur die Produktionskosten des neuen Emmerich-Werks sind gewaltig, der Werbeetat wird eine nicht weniger beeindruckende Summe verschlungen haben – die genauen Zahlen bleiben jedoch Spekulation.

Ebenso illusionär wie 2012, sind auch die Marketingstrategien des neuen Kino-Events. Mit der Website des IHC (Institute for Human Continuity) www.thisistheend.net, lösten Emmerich und Co. jedenfalls einiges an Verwirrung aus. Der Verschwörungstheoretiker Charlie Frost, gibt unter dieser URL seine Theorien zum Besten – in 2012 wird Frost von Woody Harrelson gespielt. Bereits ab Januar klärte die Koryphäe die Leser seiner Seite, über Asteroiden, Nostradamus und Supervulkane auf. Selbstverständlich wurde auch das Ende der Welt, nach Maya-Berechnungen exakt am 21.12.2012, berücksichtigt. Ebenfalls zum Werberepertoir zählt farewellatlantis.com, welche den Roman ‘Farewall Atlantis’ thematisiert. Bleibt festzustellen, dass farewellatlantis-Autor Jackson Curtis eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Schauspieler John Cusack aufweist. Zwischenzeitlich ist die Herkunft der Seiten als Marketing-Schachzug von 2012 geklärt.

Orson Welles stand Pate. Der Effekt der professionell gestalteten IHC-Seite, ist dem von Orson Welles’ berühmten Hörspiel nicht ganz unähnlich. Seit auf tausenden Bildschirmen in einem Miniclip, die Mammut-Flutwelle über die Gipfel des Himalaya schwappte, hat Google einen neuen Top-Suchbegriff. Tatsächlich wurde überwiegend nach ‘2012′ gegoogelt, dem Maya-Weltuntergangs-Datum. Die meisten Suchenden landeten auf der Seite des IHC und wurden mit der ‘Wahrheit’ konfrontiert. Bereits 2004 hatten die renomierten Wissenschaftler die Regierung in Kenntnis gesetzt, dass der Weltuntergang mit einer Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent, im Jahr 2012 bevor stehe. Von oben gab es keine Reaktion und so entschied man sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Man verloste kurzum die knappen Rettungsboot-Plätze via Lotterieverfahren. Nasa Mitarbeiter David Morrison erhielt tausende Anfragen nach dem IHC und war nicht wenig überrascht, als er sich selbst auf die Google-Suche begab und fündig wurde. Morrison erhielt offensichtlich auch zahlreiche verzweifelte Zuschriften von suizidgefährdeten Teenagern, die einem ohne Frage leid tun können. Auf der anderen Seite muss man die geniale Marketing-Strategie von Emmerich und Co. neidlos anerkennen.

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Autor: admin
Datum: Freitag, 4. Dezember 2009 0:52
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