Helen – die Zermürbung der Seele
Depressionen sind mehr als nur ein abstraktes Krankheitsbild, das alle, nur nicht einen selbst treffen kann. Es handelt sich hierbei um eine wahre Volkskrankheit, deren Ursachen ebenso vielfältig wie teils schwer rekonstruierbar sein können. Der Leidensdruck, den sich Depressive dabei tagtäglich stellen müssen, kann in gesundem Zustand wohl kaum nachvollzogen werden. Depressionen sind aber auch vor allem deshalb so zermürbend, da sich diese zunächst kaum wahrnehmbar äußern und entwickeln zu einem Meer der Trost- und Gleichgültigkeit. Als letzter Ausweg erscheint dann oft nur noch der eigene Tod, wie kürzlich beim Nationaltorwart Robert Enke geschehen. Trotz dieser eigentlich verwerflichen Handlung können wir dennoch Sympathie empfinden für Leidende dieser Krankheit.
Mit eben dieser Thematik setzt sich der Film “Helen” auseinander. Die Hauptperson Helen, gespielt von Ashley Judd, ist keineswegs eine Zugehörige der Randgruppe der Gesellschaft. Vielmehr ist sie Mutter einer Tochter und Ehefrau eines erfolgreichen Anwalts, der ihr dennoch alles gibt was in seiner Macht steht. Nichtsdestotrotz entwickelt Helen eine Depression, die sie zunehmend von Familie und Freunden entfernt und sie schließlich lebensgefährlich bedroht. In diesem Psychodrama glänzt vor allem Ashley Judd, die Helen überzeugend zerbrechliche und doch realitätsnahe Züge einflößt. Aber auch der Ehemann, dargestellt durch Goran Visnjic, brilliert als verständnisvoller Partner, der letzten Endes aber auch keinen Rat mehr weis und sich zunehmend von seiner geliebten Frau distanziert.
Helens letzter Strohhalm, an welchen sie sich in der Endphase der Depression verzweifelt klammert, bleibt eine Musikstudentin, die das gleiche Krankheitsbild plagt. Beide versuchen daraufhin die Krankheit zu bekämpfen, was sich als eine aussichtlose Schlacht erweist. Die Regisseurin und Filmautorin dieses Werks ist Sandra Nettelbeck, die eigentlich mit humorvollen Komödien ihren Durchbruch feierte. Mit “Helen” beschreitet sie dabei ganz neue Wege und rückt eine Erkrankung in den öffentlichen Fokus, unter der derzeit schätzungsweise 4 Millionen Menschen in Deutschland leiden: die Depression.
