Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte
In seinem neuen Dokumentarfilm „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ fasst Michael in gewohnter Manier ein paar Themen zusammen, die dringend besprochen werden müssen.
Rom, Sklaven, Fabriken, Washington und George W. Bush gehören dazu. Aber schon nach wenigen Minuten lässt die Argumentationskette sich nicht mehr nachvollziehen. Allerdings klingt jedes Argument absolut einleuchtend, in dem Moment, wo man es auf der Leinwand erlebt. Das ist dem Montageprinzip von Michael Moore geschuldet, das auch in diesem Film perfekt funktioniert. Filmszenen, dazu Archivbilder, dazwischen der Regisseur in seinen Jugendjahren, garniert mit netten Gags, einigen haarsträubenden Expertenmeinungen und immer wieder Menschen, die verdammt arm dran sind. Das Schema kann Moore wohl auf jedes beliebigen Thema anwenden. Diesmal hat er sich eben die Wirtschaftskrise, deren Ursachen und Folgen vorgenommen.
Moore bebildert den Kapitalismus der 50er Jahre mit geölten Maschinen und fröhlich ratternden Fließbändern. Die Amerikaner dominieren den Welthandel. Der Dollar ist die stabile Leitwährung. Die Weltwirtschaft ist noch weit entfernt von der heutigen Globalisierung Der Bruch findet Anfang der 80er Jahre in Gestalt von Ronald Reagan statt und der Ideologie einer neuen Generation von Industriellen, die das Land wie einen Konzern führen wollen. Moore zeigt in bewegenden Szenen die Opfer eines zügellosen Kapitalismus. Menschen, die wegen der Gier der Banken ihr Hab und Gut verloren oder auf andere üble Weise Schaden genommen haben.
Moore versteht es, auch in seinem neuen Film zugleich zu unterhalten und Auflärung zu betreiben. Man kann davon ausgehen, dass der Regisseur die Fakten sorgfältig recherchiert hat. Aber der Film würde an glaubwürdig gewinnen, wenn Michael Moore gelegentlich seine Quellen preisgeben würde. Als Fazit bleibt: Der Dokumentarfilm bietet viele Angriffsflächen, die zu hinterfragen sind. Aber Moore bleibt der besessene Aufklärer, der immer war. Und das ist auch gut so.
